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Martin Luther


Lehre: Gottes Gnade ist ein Geschenk.


Bibelvers: Röm 6,23 (Luth): Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.


Martin zog seinen Mantel enger um sich. Der Regen prasselte auf ihn herab. Der Himmel wurde immer dunkler. Er beeilte sich, um schnell nach Hause zu kommen. Doch dann hörte er ein lautes Donnern. Zu dem Regen kam ein starkes Gewitter. Immer wieder donnerte es. Blitze erleuchteten die Umgebung. "Jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen", dachte Martin gerade. Doch plötzlich gab es einen sehr lauten Knall. Und direkt neben Martin schlug ein Blitz ein. Martin fiel vor Schreck auf den Boden. Seine Knie zitterten. "Ich muss sterben", dachte er in diesem Moment. Martin hatte nie viel gebetet, aber jetzt auf einmal schien ihm keine andere Möglichkeit, um heil aus dem Gewitter zu kommen. "Wenn ich hier heil raus komme, gehe ich ins Kloster", versprach er. Eine Weile lag er noch auf dem Boden. Er hörte noch mehrfach Donner und sah Blitze. Doch nach einiger Zeit verzog sich das Gewitter. Martin stand auf. Seine Beine waren noch ganz schwer vor Schreck, aber jetzt konnte er sicher nach Hause kommen.


Zuhause war Martin sicher. Aber immer wieder dachte er daran, dass er fast gestorben wäre. Und er dachte an sein Versprechen. Einige Zeit später ging er als Mönch ins Kloster. Seine Freunde und seine Familie verstanden ihn nicht. "So ein Quatsch!", sagte sie. "Doch, ich habe es versprochen", erwiderte Martin. Und so ging er ins Kloster. Jeden Tag wurde dort gebetet. Und Martin wollte mehr von Gott hören. Er wollte mehr lernen. Er las in der Bibel und wollte so leben, wie es Gott gefällt. Aber immer wieder merkte er, dass er nicht gut genug war. "Schon wieder habe ich schlechte Gedanke gehabt", dachte Martin abends traurig. "Ich habe so viele Sünden in meinem Leben. So wird mich Gott nie annehmen." Andere machten es sich einfacher. Sie gaben der Kirche Geld und kauften dafür Ablassbriefe. Die Kirche versprach, dass ihnen dafür Sünden vergeben werden. Aber Martin zweifelte daran. "Lässt Gott sich wirklich mit Geld kaufen?", fragte er sich. "Aber irgendeinen Weg muss es doch geben, dass Gott mir gnädig ist. Ich schaffe es alleine einfach nicht."


"Wie kriege ich einen gnädigen Gott?" Das war die wichtigste Frage für Martin. Er tat alles dafür, was ihm einfiel. Er ging zur Beichte, er pilgerte nach Rom. Aber trotzdem wurde sein Gewissen nicht ruhig. Weißt du, warum nicht? Weil all das uns nicht Gottes Gnade kaufen kann. Jeder von uns ist Sünder. Jeder tut Dinge, die Gott nicht gefallen und so verdient jeder von uns Strafe und dass wir getrennt sind von Gott. Wir alle brauchen einen gnädigen Gott. Aber die Gnade Gottes kann man nicht kaufen. Sie ist vielmehr ein Geschenk, das man im Glauben annehmen muss. Martin wusste es nicht. Von der Kirche damals hatte er das nie gehört.


So las er immer wieder in der Bibel. Er wurde selbst Lehrer und Prediger. Viele mochten ihn. Alle dachten: "Martin ist ein Mensch, der so lebt, wie es Gott gefällt." Aber Martin selbst wusste besser, dass auch in seinem inneren vieles nicht stimmte. Eines Tages saß er in seinem Zimmer im Turm des Klosters. Die Bibel lag vor ihm aufgeschlagen. Er las gerade im Römerbrief. Aber oft schweiften seine Gedanken ab und er überlegte wieder: "Wie kriege ich einen gnädigen Gott". Doch dann stutze er. Was hatte er da eben gelesen? Noch einmal las er dieselben Verse. Römer 1,17: "Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben." Immer wieder las er die Verse. Dort stand etwas von der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Die suchte er doch immer. Er versuchte immer, vor Gott gerecht zu sein, aber er schaffte es nicht. Was stand hier also? Woher kommt diese Gerechtigkeit? Aus Glauben! Martin staunte. Dann brauchte er also nicht alles Mögliche versuchen, nicht Beichten zu gehen, nicht Geld zu geben oder so. Er musste nur an Gott glauben und dann würde Gott ihm seine Gnade schenken. Martin glaubte an Gott und plötzlich wusste er, dass Gott seine Schuld vergeben hat. Endlich brauchte er keine Angst mehr vor Gott zu haben.


Dieses Turmerlebnis veränderte Martins Leben. Jetzt wollte er auch den anderen weitersagen, dass die Gnade Gottes ein Geschenk ist, das sie nur annehmen müssen. "Hört auf, die Ablassbriefe zu kaufen!" sagte er. "Die bringen euch nichts. Glaubt einfach an Gott und nehmt sein Geschenk an. Jesus hat schon für unsere Sünden bezahlt. Wir brauchen es nicht noch einmal zu machen." Damit auch wirklich alle es hören konnten, nahm er ein großes Blatt Papier. In 95 Sätzen oder Thesen schrieb er dort auf, dass der Ablass niemandem helfen kann, sondern nur der Glaube an Gott. Er nahm das Papier und ging damit zur Schlosskirche. Dann nagelte er es dort an die Tür. Jetzt konnte jeder lesen, was Martin dachte. Manche, die es lasen, waren begeistert. Sie freuten sich, wie auch Martin darüber, dass Gott ihnen seine Gnade schenkte. Aber andere fanden das gar nicht gut. Die Kirche wollte, dass die Menschen weiter Ablassbriefe kauften und ihr Geld dafür gab. Ihnen gefiel nicht, was Martin sagte.


"Martin, sag, dass es falsch war, was du geschrieben hast!", wurde Martin aufgefordert. "Nein!", sagte Martin. "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir." Er blieb bei seiner Meinung, denn er war so froh, dass er jetzt den gnädigen Gott kannte. "Dann erklären wir dich als vogelfrei", drohten seine Gegner. Das störte Martin nicht. Trotzdem war es gefährlich. Wenn jemand vogelfrei war, hieß das, jeder durfte ihn einfach umbringen ohne dafür bestraft zu werden. Martin hatte keine Angst. Er wusste, Gott ist bei ihm. Aber als er auf dem Heimweg war, passierte es. Plötzlich sprangen einige maskierte Männer aus dem Dickicht hervor. Sie hielten die Kutsche an, in der Martin reiste. Martin schaute nach draußen. Was sollte er tun? Da waren die Männer auch schon bei ihm. Sie zerrten Martin aus der Kutsche. Er wurde entführt. Aber es waren gar keine Feinde von ihm, es waren seine Freunde. Sie wollten ihm helfen und ihn verstecken.


Sie brachten Martin zur Wartburg. Hier lebte ein Freund von ihm und er durfte sich hier verstecken. Natürlich musste er aufpassen, dass ihn niemand entdeckte. Er ließ sich einen Bart wachsen, so dass ihn niemand erkennen konnte. Martin hatte jetzt viel Zeit. Was sollte er tun? Er wusste es schon genau. Er las in der Bibel. Und er tat noch etwas. Die Bibel, in der Martin damals las, war auf Latein geschrieben. Wenn jemand die Bibel also lesen wollte, musste er erst Latein lernen, oder Hebräisch und Griechisch. Aber das konnten die meisten nicht. So konnten die meisten Leute die Bibel nicht lesen. Martin begann, Vers für Vers auf Deutsch zu übersetzen. Endlich konnte jeder die Bibel lesen, der es wollte. Und jeder konnte darin nachlesen, wie man einen gnädigen Gott bekommt, nämlich, indem man Gottes Gnade einfach in Glauben als Geschenk annimmt.